Vorwort






Obwohl die offiziellen Schachweltmeisterschaften mit Wilhelm Steinitz ihre Geburtsstunde fanden, möchte ich dennoch die beiden Spieler Adolf Anderssen und Paul Charles Morphy kurz erwähnen, da diese “zu ihrer Zeit” die weltbesten Schachtalente gewesen sind.

Prof. Adolf Anderssen

                Deutschland Anderssen
        geboren:06.07.1818

        gestorben:13.03.1879
                inoffizieller
                Weltmeister
                      von

                 1851-1857
                 1860-1866



  • A. Anderssen wurde am 6.Juli1818 in Breslau (Deutschland) geboren.

  • Bereits 1842 veröffentlichte er -als Problemkomponist- sein Buch “Aufgaben für Schachspieler”.

  • 1851 gewann er das erste internationale Schachturnier anläßlich der Londoner Weltausstellung.

  • In Paris verlor er 1858 gegen den Amerikaner Paul Charles Morphy (+2, -7, =2); gab daraufhin an ihm “den Titel des stärksten Spielers der Welt” ab.

  • Nach Morphys plötzlichem Rücktritt von der Schachbühne galt Anderssen nach diversen Turniererfolgen ab 1860 wieder als “stärkster Spieler der Welt”.

  • Anderssen bestritt im Jahre 1861 gegen den ungarischen Baron Ignaz von Kolisch das erste Match der Schachgeschichte mit Zügen in einer Zeitbegrenzung. Jedem Spieler standen für 24 Züge zwei Stunden Bedenkzeit zu, die mittels einer Sanduhr festgelegt wurden.

  • Gegen Wilhelm Steinitz verlor A. 1866 (+6, -8, =0). Von dieser Zeit an galt Steinitz als inoffizieller Weltmeister.

  • Adolf Anderssen, der neben dem Schachspiel auch als Mathematiklehrer tätig war, starb am 13.März1879 in Breslau.

  • Zu seinen brillant gespielten Partien zählt auch die “unsterbliche Partie” - eine der berühmtesten Partien in der Geschichte des Schachspiels - ebenfalls als “Anderssens Unsterbliche” bekannt.

Paul Charles Morphy

                Deutschland Morphy
        geboren:22.06.1837

        gestorben:10.07.1884
                inoffizieller
                Weltmeister
                      von

                 1858-1859



  • Morphy wurde am 22.Juni1837 in New Orleans geboren.

  • In der Schachgeschichte wird er als “erstes Wunderkind” bezeichnet.

  • Bevor er im Jahre 1858 seine Europareise antrat, um die dort großen Schachspieler herauszufordern, bestand er das Staatsexamen in Jura mit Auszeichnung!

  • Noch im gleichen Jahr bezwang M. den damaligen inoffiziellen Weltmeister Adolf Anderssen (+7, -2, =2) und galt somit fortan als “stärkster Spieler der Welt”.

  • Nach seiner Heimreise in die USA wurde er als Volksheld gefeiert. Dennoch zog er sich vom Schachspielen immer mehr und mehr zurück, bis er es 1859 schließlich vollständig beendete.

  • Fortan begann er seine Tätigkeit als Jurist, bemerkte aber schnell, daß er von seinen Landsleuten nur als Schachspieler anerkannt wurde. Diese Tatsache ließ ihn in Depressionen verfallen.

  • Als Paul Charles Morphy am 10.Juli1884 in New Orleans starb, empfand er fürs Schachspielen nur noch große Abscheu.


Am 29.Dezember1885 war es endlich soweit.

W. Steinitz und J. H. Zukertort hatten ein Übereinkommen getroffen, ein Match um die Schachkrone auszutragen.

Der Einsatz betrug 2.000 Dollar pro Spielerseite.

Somit steht das Schachspiel in der Chronik der Welttitelkämpfe aller gegenwärtig betriebenen Sportarten hinter Billiard (1873) an zweiter Stelle.

Doch bis es tatsächlich am 11.Januar1886 am Broadway (New York) zur ersten Partie kam, lag hinter beiden Spielern ein langjähriges, zähes Gerangel um Bedenkzeit, Austragungsmodus, Börse, Vermiet- und -kaufsrechte von Partien, Spielorte, Partienanzahl oder gar Wertungen der halben bzw. ganzen Zähler.

Auch bei den folgenden Wettkämpfen um die WM hatten die Kontrahenten ihre Probleme, sich über die Bedingungen zu einigen.

Erst nach dem Tod des Weltmeisters Aljechin im Jahre 1946 trat eine grundlegende Wende ein.

Von nun an übernahm der am 20.Juli1924 in Paris gegründete Weltschachbund (FIDE) die Regie um die WMs-Kämpfe.

Ab jetzt wählte der Weltmeister seinen Gegner nicht mehr selbständig aus - er wurde statt dessen durch die von der FIDE eingeführten Zonenturniere, Interzonen- sowie das Kandidatenturnier ermittelt.

Nach einem festgelegten Schlüssel stiegen die Bestplatzierten aus den Zonenturnieren in die Interzonenturniere und von dort aus in das Kandidatenturnier auf.

Der Sieger des KTs war der neue Herausforderer.

Auch die sonstigen Spielbedingungen diktiert die FIDE, obwohl es diesbezüglich mit dem ein oder anderen Weltmeister/Herausforderer schon große Probleme gab - siehe Lebensläufe!




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